Wiedereinführung von Studiengebühren

  • Ich weiß nicht wie die Frage genau formuliert wurde, aber wenn man als Antwort wirklich erwartet dass man als Hobby Programmieren hat, dann würde ich das schon eigenartig finden. Nicht weil sich ein Informatiker nicht dafür interessieren soll (soll er schon), sondern weil man das ab einem gewissen Lebensabschnitt nicht mehr als Hobby machen sollte sondern als Beruf. Wie viele andere hier habe ich in jüngeren Jahren ständig in der Freizeit irgendwelche Hobbyprojekte durchgeführt. Heute programmiere ich immer noch (teilweise entscheide ich auch was). Aber auch wenn ich das manchmal immer noch am Wochenende zu Hause mache und es auch Spaß macht, ist es doch keine Freizeitbeschäftigung mehr sobald mich jemand dafür bezahlt und auf Ergebnisse wartet. Als DI noch in der Freizeit programmieren klingt für mich eigentlich nicht gut, sondern eher im Gegenteil: man muss es in der Freizeit machen weil man es noch nicht geschafft hat es zum Beruf machen zu können.


    Es gibt auch Leute, die sowohl im Beruf als auch in ihrer Freizeit programmieren. Manche sind im Beruf unterfordert, weil sie dort nur einfache Sachen wie SQL oder JavaScript machen müssen, und toben sich in ihrer Freizeit aus. Ich verstehe aber, dass solche Leute eine berufliche Tätigkeit anstreben sollten, in denen sie ihr Potenzial verwirklichen könnten.


    Ich kenne aber auch Programmierer, die tagsüber Computerspiele entwickeln und abends dann Demos coden - beides sehr anspruchsvoll.

  • meine letzte Firma hatte einige weibliche Devs.
    Gerade in der IT ist das überhaupt kein Problem, sind doch eh die meisten froh wenn zumindest 1-2 Frauen im Team sind. Und die werden in der Regel auch gut behandelt ;-)
    Hört euch mal um wie Frauen in der Küche oder beim Militär behandelt werden.


    Das stimmt natürlich. Aber erstmal einen Job bekommen ist vermutlich dennoch bei etlichen Firmen eher schwierig.



    Wird keiner gezwungen in ein Start Up zu gehen. Mich hat das irgendwie noch nie gereizt, hab weder Lust auf Tischfussball noch auf gemeinsames Computerspielen in der Arbeit, noch halte ich viel von all den tollen englischen Berufsbezeichnung "Chief of XY". Mehr Schein als Sein. Die Arbeit soll Spaß machen, soll interessant sein, aber in erster Linie sollte sie auch brauchbar viel Geld abwerfen.


    Mit derartig "hippen" Startups hatte ich bisher eher auch nicht zu tun. Derzeit sitze ich bei https://vocalid.co/about auch eher vor allem mit älteren Generationen zusammen :).
    Dennoch findet man gerade im Bereich Data Science/Machine Learning in Ö hauptsächlich Startups die was Gscheiteres machen, siehe:



    DataSci finde ich ein interessantes Thema, allerdings finde ich die Jobangebote in Ö weniger spannend. Klingt oft eher danach, dass die Firmen einen Wahrsager suchen, dem sie einfach ihren ganzen Haufen Daten der sich in der Firmengeschichte angesammelt hat hinschmeißen und der den Managern dann sagt, was die richtige Strategie ist. Sowas gabs doch schon mal ... Könige haben ja auch ihre Astrologen (damals Astronomen) beschäftigt gehabt, um die Zukunft vorherzusagen.


    Genau - die Jobausschreibungen für die meisten Data Science Jobs in Österreich sind halt "Excel, SAP, SAS, Statistik" und keine ConvNets, LSTMs oder graphical models ;).
    Und halt viel Data Warehousing.
    Entsprechend sind bei diesen Jobs eher Reports der Output und kein Produkt.




    Laufen halt auch viele FHer, HTLer und Quereinsteiger rum.
    Ich bin mal von einem HTL Absolventen gefragt worden, was man denn auf der Uni überhaupt in Informatik lernen kann. Weil programmieren lernt man eh in der HTL und soviel verschiedene andere Sprachen und Technologien gibts ja dann auch wieder nicht. Gerade solche Leute steigen aber dann oft auf zum Teamleiter, da sie ja durchaus programmieren können und gut mit Leuten umgehen können. Aber ein Vorstellungsgespräch könnte dann schwierig werden, wenn man erst mal erklären muss, das Informatik != Java und C#.
    Weiters gibt es ja wenige wirklich informatik-lastige Firmen in Österreich. Meist ist es ja irgendein C# + SQL + Java + GUI + Web CRM Bullshit. Dafür braucht man ja tatsächlich kein Studium.


    Ja, gebe ja zu dass ich nach der HTL auch dachte, ein Studium würde mir eh nix mehr bringen.
    Und Gleich und Gleich gesellt sich gerne.




    damit wollen sie halt schauen, ob die Leute ein Mindestmaß an Interesse haben.
    Kenne von Erzählungen auch die Kehrseite: da bewerben sich Leute als "Experte für Sprache XY", und sind dann nicht in der Lage, in der Sprache einfachste (!) Algorithmen zu implementieren.
    Außerdem: auf github kann man schnell mal was hochladen, daran solls nicht scheitern. Oder einfach mal einen Bug fixen bei einem Open Source Projekt, schon steht der eigene Name in der Autorenliste. Alles nicht so schwer ;-)


    Ja, hab meinen Job auch durch ein Github-Projekt und bin insofern froh, dass ich meine Kollegen damals überredet habe, es open source zu stellen. Gleichzeitig ist es natürlich absurd, dass ein paar Spielereien dann plötzlich so wichtig werden.
    Ansonsten wurde ich schon ganz konkret gefragt, was ich mich in meiner Freizeit so programmiere, mit welchen Technologien beschäftige, etc.
    War aber auch eher startuppy ;)).



    Kannst du dir vorstellen, was ein Data Scientist den ganzen Tag über macht? Ich kann es mir nicht vorstellen. Für mich klingt diese Tätigkeit trivial bzw. nach einem Job für ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis. Man muss doch nur einige Parameter tunen und dann das Programm laufen lassen. (Mein Wissen über Data Science stammt vornehmlich aus dem Kurs über Machine Learning von Andrew Ng auf Coursera. Ich habe vor einigen Jahren auch die VU Machine Learning an der TU Wien absolviert, doch der Kurs auf Coursera war umfassender.)


    Praktisch kommt Machine Learning in Ö für Data Scientists nur selten wirklich vor. Aber allgemein sagen die meisten, dass sie nur die wenigste Zeit tatsächlich mit dem Model verbringen. Die großen Brocken sind eher schon Planung der Experimente, Datenbedarf formulieren, Hypothesen formulieren, leider sehr viel Daten putzen und tausend edge cases behandeln etc.
    Genauso wie man halt als regulärer Developer schnell mal einen ganzen Tag mit Kleinkram verschwendet (bzw. allgemein 80/20 - der Prototyp ist schnell mal da...).


    In meinem Fall ist es nicht per se "Data Science" sondern "nur" Machine Learning, aber ich komme auch sehr wenig dazu, tatsächlich am Model zu drehen. Sehr viel Arbeit stecke ich (trotz deep learning) in data preprocessing/augmentation/selection etc. In der Realität ist halt ein Großteil der Daten Mist, also zusätzlich kann man dann z.B. schon eigene Modelle zum Daten cleanen oder Qualität bewerten trainieren. Oder post-processing, oder separate autoencoder. Oder average models + transfer learning.
    In der Wissenschaft geht derzeit auch soviel weiter, dass man kaum am state of the art bleiben kann. Dann sinds mal LSTMs, dann ConvNets, dann eine Mischung aus allem mit GANs trainiert... und wwischen Research und Production liegt halt immer noch extrem viel Aufwand. Wenn ich mir die aktuelle WaveNet version ansehe (https://deepmind.com/blog/high…speech-synthesis-wavenet/), da gibt es zwar ein paar Open Source Implementierungen aber die sind praktisch alle Meilenweit von der Deepmind-Version weg.
    Wenn alles so einfach wäre, gäbe es keine Entwicklung mehr.
    Wenn man nicht Deep Learning verwendet, geht natürlich noch wesentlich mehr Zeit für feature engineering drauf. Oder viele Graphical Models wie Hidden Markov Models oder Reinforcement Learning mit Markov Decision Processes sind sowieso alles andere als Black Boxes.


    Ich weiß nicht wie die Frage genau formuliert wurde, aber wenn man als Antwort wirklich erwartet dass man als Hobby Programmieren hat, dann würde ich das schon eigenartig finden. Nicht weil sich ein Informatiker nicht dafür interessieren soll ... Freizeit programmieren klingt für mich eigentlich nicht gut, sondern eher im Gegenteil: man muss es in der Freizeit machen weil man es noch nicht geschafft hat es zum Beruf machen zu können.


    Sehe ich auch so, aber es gibt schon... "Programmiererkulturen" in denen heimkommen, aufdrehen und weitercoden ganz normal ist. Teilweise liest man da schon schockierende Tagesabläufe, wo das Gutenachtbussi wohl das einzige ist, das die Kinder den ganzen Tag vom Vater sehen...


  • da ist man also der doppelte Depp wenn man neben dem Studium arbeiten geht:
    1. zahlt man Steuern
    2. zahlt man Studiengebühren.


    Hab auch immer nebenher gearbeitet, ist zwar aufwendig, aber dafür hat man Praxisbezug und Geld. Das man somit länger studiert sollte klar sein.
    In meinen Augen sollten Leute, die ohnehin schon Steuern zahlen zumindest von den Gebühren befreit bleiben.

  • da ist man also der doppelte Depp wenn man neben dem Studium arbeiten geht:
    1. zahlt man Steuern
    2. zahlt man Studiengebühren.


    Hab auch immer nebenher gearbeitet, ist zwar aufwendig, aber dafür hat man Praxisbezug und Geld. Das man somit länger studiert sollte klar sein.
    In meinen Augen sollten Leute, die ohnehin schon Steuern zahlen zumindest von den Gebühren befreit bleiben.


    Da stimme ich dir voll und ganz zu.

  • Ich habe jetzt erfahren, dass diese Regelung nicht auf die Regierung, sondern auf ein Gerichtsurteil zurückzuführen ist. Dieses Urteil wurde bereits im Jahr 2016 gefällt. Die damalige Regierung war nur säumig, es umzusetzen. Der jetzigen Regierung ist somit kein Vorwurf zu machen - sie tut nur, was sie tun muss.

  • Ich habe jetzt erfahren


    Du hast also den oben verlinkten Artikel gelesen.


    dass diese Regelung nicht auf die Regierung, sondern auf ein Gerichtsurteil zurückzuführen ist. Dieses Urteil wurde bereits im Jahr 2016 gefällt. Die damalige Regierung war nur säumig, es umzusetzen. Der jetzigen Regierung ist somit kein Vorwurf zu machen - sie tut nur, was sie tun muss.


    Das Urteil des Verfassungsgerichtshofs hat die bestehende Ausnahme für Erwerbstätige aufgrund einer Ungleichbehandlung zwischen unselbstständig und selbstständig Erwerbstätigen aufgehoben. Ohne Beschluss einer Gesetzesnovelle müssen somit Erwerbstätige ab Wintersemester 2018/2019 Studienbeiträge entrichten.


    Sowohl für die alte als auch die neue Regierung gäbe es allerdings die Möglichkeit, eine entsprechende Novelle zu beschließen, sodass Erwerbstätige auch weiterhin keine Studienbeiträge entrichten müssen.


    Die österreichische Verfassung bestimmt nicht, dass es Studienbeiträge geben muss, sondern, dass es keine Ungleichbehandlung geben darf.

  • diese neue Regelung finde ich ja auch zum schmeissen...ich mein, manche können es sich ja wirklich nicht leisten, nur zu studieren, ohne nebenbei arbeiten zu gehen....ich habe Freunde, die in Frankreich an eine (allerdings private) Uni gehen, die unglaublich teuer ist (zumindest für unsere Verhältnisse)...ich könnte mir jetzt nicht vorstellen, jährlich 4000-8000€ auf den Tisch zu legen, nur damit ich dann auch noch lernen darf, und noch mehr Arbeit zu tun hab :D kurzum…uns geht’s ja eigentlich gar nicht so schlecht hier

  • diese neue Regelung finde ich ja auch zum schmeissen...ich mein, manche können es sich ja wirklich nicht leisten, nur zu studieren, ohne nebenbei arbeiten zu gehen....ich habe Freunde, die in Frankreich an eine (allerdings private) Uni gehen, die unglaublich teuer ist (zumindest für unsere Verhältnisse)...ich könnte mir jetzt nicht vorstellen, jährlich 4000-8000€ auf den Tisch zu legen, nur damit ich dann auch noch lernen darf, und noch mehr Arbeit zu tun hab :D kurzum…uns geht’s ja eigentlich gar nicht so schlecht hier


    Absolut. An der TU hat's ja wenigstens noch so etwas wie eine Art "Lehre" gegeben, im Gegensatz zur MedUni, wo die Studierenden fast nur aus Büchern gelernt haben und zur Uni nur gegangen sind, um die Prüfungen abzulegen....

  • Ich hab keine Vorschreibung für Studiengebühren für WS18 im TISS, obwohl ich ausserhalb aller zeitlichen Toleranzen bin.
    Kann das wer (mit gleicher Ausgangslage) verifizieren?
    (Bisher war ich wegen Berufstätigkeit befreit.)

  • Noch sind die neuen erhöhten Studiengebühren nicht eingeführt. Die ~380 sind ja die "regulären", die den
    meisten erlassen werden wenn sie innerhalb der Zeit (Semesterzahl + 2 Semester) studieren.


    Wieviel erhöht wird wissen die meisten von uns (ich zumindest) nicht. Es werden aber dann wohl deutlich
    mehr als 500 Euro pro Semester sein, und dann auch mit kaum Ausnahmen. Zahlen wir dann, etwa 1200
    Euro pro Jahr, ist das ein ganz schön höher Beitrag. Das ist aber relativ niedrig berechnet, wird sicherlich
    höher werden (und dann in ein paar Jahren werden die Bla-Politiker schwärmen wie gut das ist und die
    Gebühren erhöhen). Welche reale Verbesserung wird es dank Gebühren geben?


    Kennt man die Hochschulpolitik in Österreich weiss man das es eigentlich niemals zu Verbesserungen
    FÜR die Studenten kommt. Man argumentiert ja nur indirekt: "bla bla weniger Studenten bla bla besseres
    Betreuungsverhältnis".


    Zeitgleich wird es auch abseits der höheren Gebühren zu Verschlechterungen kommen. Habt ihr euch
    das mal objektiv angesehen?


    STEOP limitiert den Zugang und wird oft als knock-out Prüfung konzipiert. (Beispiel TU:
    317.530 Grundlagen des Programmierens für MB, WIMB und VT - etwa 50% fielen durch.
    Die Zahlen weiss ich weil ich an der VU teilgenommen hatte und diese bestanden habe.)


    STEOP war aber offensichtlich nicht genug; es gibt auch Reihungstests. Da siebt man
    wieder aus.


    Mit den höheren Gebühren siebt man wieder aus. Verbesserungen wird es dadurch keine
    direkte geben. Jene mit weniger Geld werden nun noch besser haushalten müssen; die
    die Geld haben haben damit weniger Probleme. Also ein Apartheidssystem.


    Das Ziel ist offensichtlich eine Art Fachhochschule für alle, mit Gebühren. Genau das
    wurde ja mit dem Bachelor/Master System auch so gemacht - zwar geben sie an, die
    EU Bologna Richtlinie umzusetzen, aber eigentlich konzipieren sie ja alle Curricula
    über die Module im Fachhochschul-Modus. Man darf ja auch nix vorziehen wenn
    es ein übergeordnetes (sprich "späteres") Modul ist, mal von Wahlmodulen oder
    freien Wahllehrveranstaltungen abgesehen.


    Das Ziel ist klar: man möchte die Zahl der Absolventen reduzieren. Das aber nicht
    a priori mit den Kosten bedingt (wir zahlen ja alle mit dem Steuergeld den gesamten
    Hochschulbereich) sondern einfach weil es dieses zwei-Klassen Elite-System geben
    soll - man darf raten welche Partei dies seit 30 Jahren anvisiert. Wobei dieses Denken
    aber auch über die Parteien durchgreift.


    > An der TU hat's ja wenigstens noch so etwas wie eine Art "Lehre" gegeben, im Gegensatz
    > zur MedUni, wo die Studierenden fast nur aus Büchern gelernt haben und zur Uni nur
    > gegangen sind, um die Prüfungen abzulegen....


    Stimmt auch nicht ganz - es gab und gibt ja auch an der Meduni prüfungsimmanente
    Lehrveranstaltungen. Anders kannst du es ja auch nicht machen. Wie will ein Chirurg
    Erfahrung sammeln ohne das er vor Ort aktiv ist (in der Ausbildung)?