Zwei Fragen zum Thema Moral

  • 1. Wenn ich eine moralisch überlegene Person bin, habe ich dann das Recht, meine Moralvorstellungen anderen (moralisch unterlegenen) Personen aufzuzwingen?


    2. Wenn ich eine moralisch überlegene Person bin und das Recht habe, meine Moralvorstellungen anderen (moralisch unterlegenen) Personen aufzuzwingen, ist es mir dann auch gestattet, diesen (moralisch unterlegenen) Personen zum Vorwurf zu machen, dass sie auf eine moralisch unterlegene Weise gehandelt haben, selbst wenn ich zum Zeitpunkt dieser Handlungen (in der Vergangenheit) diese Personen gar nicht gekannt habe?

  • Was ist eine "moralisch überlegene Person"? Wie wird moralische Überlegenheit festgestellt, woran macht man das das fest, welche Maßstäbe gibt es und vor allem wenn es DIE Moral gibt dann kann man nur moralischer sein/ handeln aber doch nicht überlegen sein. Wenn es nicht die Moral gibt sondern viele dann kann man nicht überlegen sein sondern hat andere Vorstellungen, Maßstäbe,... bezüglich Moral, oder missverstehe ich da etwas?

  • Gibt es ueberhaupt eine Universalmoral, die als Massstab hergenommen werden kann?


    Meine Vermutung ist, dass auch Tyrannen in ihrer eigenen moralischen Vorstellung, die Guten sind, auch wenn die Geschichte das letztlich anders sah.

    “Fantasy is hardly an escape from reality. It's a way of understanding it.” - Lloyd Alexander


    “The more I see of what you call civilization, the more highly I think of what you call savagery!” - Robert E. Howard, King Kull

    "Kapitalismus heißt: Man kauft Dinge die man nicht braucht, von Geld, das man nicht hat, um Menschen zu beeindrucken, die man nicht leiden kann." - Volker Pispers

  • Wenn zwei Personen sich beide für hochintelligent halten, aber die eine Matura mit 1,0 hat und die andere überhaupt keine Matura (aber schon längst in einem Alter, wo man Matura haben könnte), dann ist doch die Person mit Matura mit 1,0 moralisch überlegen, oder?

  • Wenn zwei Personen sich beide für hochintelligent halten, aber die eine Matura mit 1,0 hat und die andere überhaupt keine Matura (aber schon längst in einem Alter, wo man Matura haben könnte), dann ist doch die Person mit Matura mit 1,0 moralisch überlegen, oder?

    Was hat Matura mit Moral zu tun geschweige mit moralischem Handeln? Oder überspitzter gesagt: der Topmanager der Millionen verdient, Matura mit 1.0 schaffte und studierte handelt nicht unbedingt moralischer geschweige moralisch "besser" als ein Automechaniker, der weder Matura noch Studium hat ;)


    Grundsätzlich würde ich bei deiner Frage wo anders ansetzen und fragen, ob es DIE Moral gibt und wenn ja, welche moralischen Maßstäbe es gibt, die für alle gelten, wer diese festsetzt, ... :)

  • Was hat Matura mit Moral zu tun geschweige mit moralischem Handeln?


    This - Man kann nicht alles auf den IQ oder irgendwelche Errungenschaften wie etwa die Matura reduzieren. Moral hat an sich nichts, aber auch gar nichts mit Intelligenz zu tun. (Wie sonst koennte man sich etwa [hoch]intelligente Professoren/Doktoren als ueberzeugte Nazis erklaeren?)

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  • This - Man kann nicht alles auf den IQ oder irgendwelche Errungenschaften wie etwa die Matura reduzieren. Moral hat an sich nichts, aber auch gar nichts mit Intelligenz zu tun. (Wie sonst koennte man sich etwa [hoch]intelligente Professoren/Doktoren als ueberzeugte Nazis erklaeren?)


    Stimme ich vollkommen zu. Zumal die Moral von vielen Menschen auch religiöse bzw. kulturelle Einflüsse hat. Das was in unserer Gesellschaft völlig in Ordnung ist, kann in einem anderen Land als moralisch verwerflich angesehen werden und umgekehrt.

  • Stimme ich vollkommen zu. Zumal die Moral von vielen Menschen auch religiöse bzw. kulturelle Einflüsse hat. Das was in unserer Gesellschaft völlig in Ordnung ist, kann in einem anderen Land als moralisch verwerflich angesehen werden und umgekehrt.


    Ausserdem waeren James Bond Boesewichte sonst unglaubwuerdig! :D

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  • Wenn zwei Personen sich beide für hochintelligent halten, aber die eine Matura mit 1,0 hat und die andere überhaupt keine Matura (aber schon längst in einem Alter, wo man Matura haben könnte), dann ist doch die Person mit Matura mit 1,0 moralisch überlegen, oder?


    Uhm.. könntest du das irgendwie begründen?

  • Naja: Die eine Person hat fleißig gelernt, sich bemüht, immer gute Noten zu haben, sich nicht gehen gelassen... Die andere Person hat nichts gelernt, sich nicht um die Schule gekümmert, sich gehen gelassen... Ich dachte immer, harte Arbeit hätte etwas mit Moral zu tun.

  • Ich dachte immer, harte Arbeit hätte etwas mit Moral zu tun.


    Überhaupt nicht. Man kann fleißig und skrupellos oder auch faul aber moralisch sein (wobei Fleiß wieder was anderes ist als Erfolg/Intelligenz). Vielleicht verwechselst du Arbeitsmoral mit Moral.


    (Btw.: Matura mit 1,0 mag in der Gesamtbevölkerung das eine oder andere "Boah" auslösen und ist schon toll - ich will niemandem was absprechen, aber nobelpreisverdächtig muss man dafür auch nicht sein. Hier im Forum gibt es sicher einige die das geschafft haben.)

  • Meine Argumentation geht eher in die Richtung, dass jeder anständige, intelligente Mensch Matura mit 1,0 haben müsste. Aber lassen wir das.

    Noten haben nicht sehr viel mit Anstand oder Intelligenz zu tun. Es gibt SchülerInnen, die sehr intelligent sind, aber psychische Krankheiten haben oder eine Umwelt, die sie an ihrer Entfaltung hindert z.B. Eltern, Geschwister auf die man ständig aufpassen muss weil Eltern arbeiten oder Party machen, gewalttätige Eltern, drogenabhängige Eltern und so weiter. Intelligenz ist nicht nur eine genetische Sache, sondern ist auch von der Umwelt, Entfaltungsmöglichkeiten, Motivation, Ziele im Leben und so weiter abhängig :)

  • Naja: Die eine Person hat fleißig gelernt, sich bemüht, immer gute Noten zu haben, sich nicht gehen gelassen... Die andere Person hat nichts gelernt, sich nicht um die Schule gekümmert, sich gehen gelassen... Ich dachte immer, harte Arbeit hätte etwas mit Moral zu tun.


    Oppenheimer hat sicher auch Tag und Nacht und sehr hart an seinem Werk gearbeitet. Ist er jetzt moralisch überlegen?


    Meine Argumentation geht eher in die Richtung, dass jeder anständige, intelligente Mensch Matura mit 1,0 haben müsste. Aber lassen wir das.


    Wie oben schon angedeutet, kommt es, sollte man das überhaupt irgendwie in Verbindung bringen können, bei harter Arbeit wohl sehr darauf an, woran man hart arbeitet.


    Und gute Noten sind wohl so ziemlich das Egoistischste, an dem man arbeiten kann, bringen sie doch nur einem selbst etwas (Aussicht auf einen guten Job, innere Genugtuung und manch einem sogar das Gefühl, besser als andere zu sein).


    Ich kenne Leute, die während ihrer Schulzeit intensiv Freiwilligenarbeit geleistet haben - den meisten waren Noten zwar nicht vollkommen egal, aber sie haben ihre Energie lieber in etwas anderes als einen 1.0 Notenschnitt investiert. Sind die jetzt weniger anständig?
    Zumal es hundert andere Gründe geben kann, warum man in seiner Schulzeit keinen guten Notenschnitt gehabt hat oder gar abgebrochen hat. Mobbing. Nebenfächer, die in einer Sprache unterrichtet werden, die du nicht kannst und wodurch du Tests weder verstehst noch beantworten kannst. Lehrer die selber psychische Probleme haben (sich vorm Unterricht ansaufen, oder Schüler per SMS kontaktieren um zu Behaupten der Freund/die Freundin würden fremd gehen, in ihrer eigenen Verschwörungsfantasie leben oder einfach nur so an "Pick" auf einen haben). Elternhaus hat mtintel ja schon erwähnt. Und tausend Dinge mehr. ^^

  • Ich persönlich finde, dass Noten gar nichts aussagen außer, dass man gut im Auswendiglernen ist aber sagt nix darüber aus ob man intelligent ist oder nicht so.... Schüler A ist eher aber merkt sich Dinge leicht und hat deswegen gute Noten - Schüler B ist sehr interessiert und lernt viel aber ihm liegt das Auswendiglernen nicht und ist mehr der praktische Typ was leider in der Schule eher zu kurz kommt und seine Noten sind deswegen eher mittelmäßig. Ist jetzt A intelligenter weil er bessere Noten hat als Schüler B weil ihn das auswendiglernen nicht interessiert bzw. er sich Dinge nicht leicht merkt? Leider wird man oft an den Noten gemessen ob man intelligent ist und bei Bewerbungen schaut man halt auf die Noten... ich persönlich finde, dass die gar nix aussagen, denn wenn man in der Schule oder auf der Uni super Noten hat, heißt das noch lange nicht, dass man auch super im Job ist... Für die meisten Menschen ist man aber intelligent wenn man super Noten hat und man denkt nicht daran, dass es auch Menschen gibt, denen das Auswendiglernen einfach nicht liegt aber sie sehrwohl intelligent sind... Man wird leider oft aufgrund der Noten "abgestempelt"... unser (krankes) System halt...


    Ein tolles Video zum Thema, kann ich nur unterschreiben :)
    https://www.youtube.com/watch?v=rJtHg6I8b6Y

    Sin locura no hay aventura :D

  • Ich persönlich finde, dass Noten gar nichts aussagen außer, dass man gut im Auswendiglernen ist aber sagt nix darüber aus ob man intelligent ist oder nicht so.... Schüler A ist eher aber merkt sich Dinge leicht und hat deswegen gute Noten - Schüler B ist sehr interessiert und lernt viel aber ihm liegt das Auswendiglernen nicht und ist mehr der praktische Typ was leider in der Schule eher zu kurz kommt und seine Noten sind deswegen eher mittelmäßig. Ist jetzt A intelligenter weil er bessere Noten hat als Schüler B weil ihn das auswendiglernen nicht interessiert bzw. er sich Dinge nicht leicht merkt? Leider wird man oft an den Noten gemessen ob man intelligent ist und bei Bewerbungen schaut man halt auf die Noten...


    Dabei unterstellst du dass in allen Fächern auswendig gelernt wird, was unter anderem in technischen Fächern oder auch in Sprachen nicht unbedingt der Fall ist, jedenfalls wenn sinnvoll geprüft wird.


    Quote

    ich persönlich finde, dass die gar nix aussagen, denn wenn man in der Schule oder auf der Uni super Noten hat, heißt das noch lange nicht, dass man auch super im Job ist... Für die meisten Menschen ist man aber intelligent wenn man super Noten hat und man denkt nicht daran, dass es auch Menschen gibt, denen das Auswendiglernen einfach nicht liegt aber sie sehrwohl intelligent sind... Man wird leider oft aufgrund der Noten "abgestempelt"... unser (krankes) System halt...


    Kommt immer auf den Job an. Natürlich wird es für Leute mit mittelmäßigen Noten zum Glück auch Jobs geben in denen sie sehr gut sind - aber dort sind dann halt andere Fähigkeiten gefragt als sie in den Fächern vermittelt wurden wo sie sich schwer getan haben. Ich kann mir z.B. nicht vorstellen dass jemand der in einer HTL jahrelang schwach im Programmieren war und sich schon bei Übungsbeispielen schwer getan hat, dann plötzlich in einem richtigen Entwicklungsprojekt super ist. Was nicht heißt dass solche nicht in anderen Bereichen gut sein können. Das deckt sich auch mit meiner Erfahrung dass die dann später irgendwas anderes gemacht haben. Jemand der immer schwach in Deutsch war wird nicht plötzlich ein toller Zeitungsredakteur werden. (Wobei da natürlich nicht eine einzelne Note zählt, sondern das Gesamtbild über Jahre.)


    Kurz gesagt: Noten beurteilen die Fähigkeiten in bestimmten Themenbereichen und haben dort meiner Ansicht nach auch eine gewisse Aussagekraft, sie beurteilen aber nicht die Intelligenz allgemein bzw. die Aussichten auf einen guten Job.

  • n

    Ich persönlich finde, dass Noten gar nichts aussagen außer, dass man gut im Auswendiglernen ist aber sagt nix darüber aus ob man intelligent ist oder nicht so.... Schüler A ist eher aber merkt sich Dinge leicht und hat deswegen gute Noten - Schüler B ist sehr interessiert und lernt viel aber ihm liegt das Auswendiglernen nicht und ist mehr der praktische Typ was leider in der Schule eher zu kurz kommt und seine Noten sind deswegen eher mittelmäßig. Ist jetzt A intelligenter weil er bessere Noten hat als Schüler B weil ihn das auswendiglernen nicht interessiert bzw. er sich Dinge nicht leicht merkt? Leider wird man oft an den Noten gemessen ob man intelligent ist und bei Bewerbungen schaut man halt auf die Noten... ich persönlich finde, dass die gar nix aussagen, denn wenn man in der Schule oder auf der Uni super Noten hat, heißt das noch lange nicht, dass man auch super im Job ist... Für die meisten Menschen ist man aber intelligent wenn man super Noten hat und man denkt nicht daran, dass es auch Menschen gibt, denen das Auswendiglernen einfach nicht liegt aber sie sehrwohl intelligent sind... Man wird leider oft aufgrund der Noten "abgestempelt"... unser (krankes) System halt...


    Ein tolles Video zum Thema, kann ich nur unterschreiben :)
    https://www.youtube.com/watch?v=rJtHg6I8b6Y


    Ja, passiert sicher, dass man nach den Noten (oder nem schoenen Anzug beim Vorstellungsgespraech) beurteilt wird. Aber eigentlich haette ich bisher jeden Job bekommen, den ich haben wollte, auch wenn mein Notenschnitt auf der Uni maximal mittelpraechtig war.


    Ich glaub man kann das in beide Richtungen nicht verallgemeinern. Noten sind eben ein Weg um Leistung zu beurteilen, nicht der (eine) Weg. Und schon gar kein Weg, Intelligenz zu messen. (Genauso wie viele IQ tests, btw. is wie Sudoku, wenn man mehr davon macht, wird's einfacher. Wird ja auch immer aehnliches gefragt, also zumindest bei denen die ich gemacht hab.)


    In jedem Fall glaube ich nicht, dass Moral IRGENDETWAS mit Intelligenz zu tun hat. Die beiden sind voellig unabhaengig.


    Zudem gibt's keine Universalmoral und was wir heute als total moralisch ansehen, kann in 30, oder 100 Jahren schon wieder ganz anders gesehen werden und wird in verschiedenen Teilen der Welt auch ganz anders gesehen.


    Wessen Moral ist dann eigentlich die "bessere"? Wenn einer sagt A und der andere sagt !A, gewinnt dann der mit dem groesseren Waffenarsenal, oder wie schaut das aus? (Provokation ist mein zweiter Vorname :)) Gibt da ja krassere Beispiele, sagen wir konkret, Rechte und Stellung von Homosexuellen.


    Ganz unterschiedlich in der Welt. Ich bin beispielsweise fuer ne absolute Gleichstellung, das macht mich hierzulande "en vogue", aber macht das meine Moral jetzt hoeherwertiger als die von einem Provinzrussen, der Putins Wort hoert bzw. grundsaetzlich Probleme mit Homosexuellen hat?


    Vielleicht ist Moral nur eine Messlatte von einem selbst, fuer einen selbst.


    Meiner Moral nach, handelt derjenige unmoralisch, der seine eigene Moral damit verwechselt, einem dritten (moralisch) ueberlegen zu sein.

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    Edited 6 times, last by Vendredi: Paulchen wies mich darauf hin, dass der Satz "dass Moral IRGENDETWAS mit MORAL zu tun hat." keinen Sinn macht :) ().

  • Ein tolles Video zum Thema, kann ich nur unterschreiben :)
    https://www.youtube.com/watch?v=rJtHg6I8b6Y


    Ich muss zugeben, ich finde dieses Video problematisch. Ich sehe es als Pamphlet gegen Allgemeinbildung und es stellt körperliche Fähigkeiten über geistige.


    Ich sehe immer wieder, wie viele Menschen etwa Probleme damit haben, schriftlich verständlich ihre Anliegen zu formulieren, oder nicht wissen, wie viel ein Produkt mit einem Normalpreis von 10 Euro kostet, wenn es um 25 Prozent verbilligt ist. Diesen Leuten redet dieses Video ein, dass diese Fähigkeiten ohnehin nicht so wichtig seien: Mach das, was dir Spaß macht... aber das, was im Deutschunterricht vorkommt, braucht man doch im Leben nicht.