Informatik und die Arbeitswelt

  • Hallo Liebe Community,



    ich hab leider ein großes Problem mit meinem Fach was die Zukunft bzw. was die Arbeitswelt betrifft.
    Ich studiere derzeit Medieninformatik(2. Semester Bachelor) an der TH Köln und hab so meine Zweifel was die Arbeitswelt angeht.
    Naja einerseits ist da ja ohnehin das "Mädcheninformatik" Klischee, welches mich plagt, denn dies habe ich
    schon oft gehört, dass Medieninformatiker ja eigentlich keine richtigen Informatiker sind und das sie es
    später auch schwer haben werden einen Job zu finden.



    Vorerfahrungen in Programmierung habe ich keine, weil ich mich vor dem Studium noch nie damit befasst habe.
    Berufserfahrung habe ich erst recht nicht.
    Oft höre ich jedoch von Leuten, das gar nicht mehr soviele Informatiker gesucht werden und der allseits beliebte
    Satz "Wir brauchen dringend Informatiker" eine Lüge ist.
    Ich hab die Befürchtung das Informatik am Ende wie BWL endet, da hieß es ja auch mal "Es werden händeringend BWLler gesucht.".
    Des Weiteren fangen immer mehr Leute an ein Informatik-Fach zu studieren, Selbstständige in diesem Gebiet gibt es
    wie Sand am Meer und auch in der Schule wird den Jugendlichen Informatik auch als ein Hauptfach unterrichtet, sodass
    viele Schulabgänger weitaus mehr Wissen haben, als ich mit meinem 1 Semester Medieninformatik.



    Die Arbeitgeber sollen wohl äußerst pingelig sein; Bewerbungen die einen Bachelor unter 1,7 und einen Master unter 2,0 haben
    werden in die Tonne geschmissen.
    Bewerbungen von der Fachhochschule, sowie alle Informatik-Bindestrichfächer außer Wirtschaftsinformatik
    und "normale Informatik", werden erst gar nicht aufgemacht.
    Es wird mindestens 5 Jahre Berufserfahrung erwartet, sowie eine Reihe an Projekten an denen man gearbeitet hat, zusätzlich sollte man
    auch noch ein Auslandsjahr gemacht haben und der Schwerpunkt im Studium sollte mit dem der Firma übereinstimmen.



    Im Gegensatz zu den meisten Fächern die man studiert, endet Informatik nicht nach dem Abschluss, man muss sich permanent weiterentwickeln
    sowie weiterbilden, somit schließt die Arbeitswelt automatisch die Leute aus die z.B als Informatik-Lehrer/Dozent arbeiten, da diese
    einfach zulange von der Arbeitswelt und deren Routine ferngeblieben sind und nicht mehr den Anschluss finden können.



    Bevorzugt werden sowieso Arbeitnehmer aus dem Ausland, da diese einfach weniger kosten.



    Bindestrich-Fächer (z.B Medieninformatik,Bioinformatik,Geoinformatik) sowie Schwerpunkte (z.B Cloud Computing, Android) können heute
    noch beliebt und gefragt sein, nächstes Jahr aber nicht mehr, da keine Nachfrage danach herrscht.
    Beherrscht man nicht die gefragten Schwerpunkte/Programmiersprachen hat man einfach Pech gehabt.



    Ist man über 35 Jahre hat man es sehr schwer in der Arbeitswelt etwas zu finden, sofern man nicht wirklich Experte ist in seinem Bereich.



    Arbeitnehmer, im Bereich der Informatik, sind besonders von Vitamin B abhängig.



    Ja das waren jetzt Aussagen die ich aus meinem Umfeld mal alle zusammengesammelt und hier aufgeschrieben habe. Ich selbst habe noch
    keine Erfahrungen gemacht, deshalb möchte ich eure Meinung und eure Erfahrung von der Informatik-Arbeitswelt hören.



    Lohnt es sich für mich überhaupt noch weiter zu studieren ? Ich bin total verunsichert was all diese Anforderung betrifft, da kann
    ich mich nach dem Abschluss ja gleich beim Jobcenter anmelden...

  • Quote

    Lohnt es sich für mich überhaupt noch weiter zu studieren ? Ich bin total verunsichert was all diese Anforderung betrifft, da kann
    ich mich nach dem Abschluss ja gleich beim Jobcenter anmelden...


    Lass es bleiben. Wenn du nicht aus Leidenschaft/Interesse studierst, wird dich das ganze Studium nur anzipfen und du findest dann auch erst recht keinen Job.
    Ich kenn das Studium bei euch nicht, aber bei uns an der TU Wien war es auch so, dass man rein von den Pflichtfächern her nicht der hardcore Programmierer werden muss. Aber erstens ist Informatik viel bunter, als dass man der beste Assembler-Programmierer werden muss und zweitens muss man eben auch Eigeninitiative ergreifen und nebenbei Fächer belegen, die das fehlende/nötige Wissen für das Interessensgebiet vermitteln. Das unterscheidet auch die "ich will nur schnell fertig werden"-Studis und die, die dann später wirklich was drauf haben und mit Handkuss (:0)) genommen werden.


    So, nach dem Demotivieren auch was positives:
    Du bist erst im zweiten Semester. Die Sorgen haben viele von uns durchgemacht. Aufhören und bei McDonald's joben, kann man ja jederzeit. Wenn Medieninf. dein Wunschstudium war, halt durch, es lohnt sich. Oder schau, dass du wechselt und was findest, was dir wirklich Spaß macht. (Anderes Studium?)

    Otto: Apes don't read philosophy. - Wanda: Yes they do, Otto, they just don't understand
    Beleidigungen sind Argumente jener, die über keine Argumente verfügen.
    «Signanz braucht keine Worte.» | «Signanz gibts nur im Traum.»


    Das neue MTB-Projekt (PO, Wiki, Mitschriften, Ausarbeitungen, Folien, ...) ist online
    http://mtb-projekt.at

  • es gibt viele Jobangebote für Informatiker, es ist für Firmen garnicht so einfach wirklich gute Leute zu bekommen.
    Es mag zwar sein, dass es Programmierer wie Sand am Meer gibt. Aber wenn ich mich so umsehe, Leute, die wirklich was drauf haben, sind eher selten. In der freien Wirtschaft findet man dann Biologen die C# "Experte" sind oder ähnliches. Aber Leute, die auch ein tiefes Hintergrundwissen haben, sind selten. Und es gibt immer wieder Problemstellung, die das erfordern. So gesehen hat man mit einer soliden theoretischen Ausbildung (sofern man auch praktisch was drauf hat) sehr gute Karten um später mal einen interessanten und halbwegs gut bezahlten Job zu bekommen.


    Viele deiner Behauptungen wären recht einfach zu widerlegen. Darauf habe ich aber jetzt keine Lust. Letztlich musst nämlich du dir überlegen, ob dir Informatik Spaß macht. Wenn du kein Interesse hast dann lass es. Dafür ist das Studium einfach zu aufwendig.

  • Die Bewerbungsprozesse können tatsächlich mühsam sein, weil es extrem viele Jobs und gleichzeitig extrem viele Bewerber gibt.
    Allerdings ist keiner meiner Schul- und Uni-Kollegen arbeitslos, auch wenn viele nicht die supertollen Jobs haben.
    Im Alter wird es schwieriger, aber das ist in nahezu allen anderen Bereichen genauso.
    Mein subjektiver Eindruck ist, dass derzeit nur Humanmedizin wirklich krisensicher ist, bei guter Bezahlung, Prestige und Alterssicherheit (ältere Ärzte gelten als erfahren, ältere Programmierer dagegen... Naja ;)).
    Sowie die eine oder andere Nische.


    In Summe denke ich, geht es uns Informatikern auch in Europa noch ganz gut, trotz Nearshoring (Cluj et al).
    Wenn man nicht ortsgebunden ist, in den USA gibt es vielerorts Engpässe (Boston zb.). Und gerade in Deutschland gibt es doch auch sehr viel, vergeht keine Woche in der nicht mindestens ein Recruiter aus D bei mir anklopfen würde (wobei ich davon ausgehe, dass sie pro Projekt bei 200 anderen auch anklopfen).


  • Sorry, aber das ist zumindest hierzulande absolut nicht so. Ich habe mich als eher Berufseinsteiger bisher bei 5 Jobs beworben und 3 Zusagen der jeweiligen Arbeitgeber bekommen (habe dann ein Jahr gearbeitet) und ich habe bis jetzt nur einen (notendurchschnittsmäßig eher mäßigem) Bachelor-Abschluss vorzuweisen. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass es den Leuten viel mehr darauf ankommt, wie deine Bewerbung klingt, wie du im Gespräch rüber kommst, etc. Was du wirklich kannst können die meisten Arbeitgeber von ein paar kurzen Gesprächen sowie Minitests oder Aufgaben die man desöfteren bekommt ohnehin nicht sagen.

  • Das meiste wurde hier eh schon gesagt. Ich versuche mal den Standpunkt von der Gegenseite darzulegen. Ich arbeite in einem mittelständischem SW-Unternehmen und bekomme viel mit was Bewerbungsunterlagen und Bewerbungsgespräche angeht. Die Geschäftsführer wollen primär Entwickler, die weitesgehend selbständig arbeiten können, lernfähig sind und mit Kunden & Kollegen gut klarkommen. Das klingt jetzt alles super einfach, aber es ist gar nicht leicht für sie die richtigen Mitarbeiter zu finden. Es stimmt schon, dass wir viele Bewerbungen reinbekommen. Aber gefühlt 90% der Bewerbungen sind schlecht verfasst oder nicht mal ansatzweise geeignet. Wenn man halbwegs gute Bewerbungsunterlagen hat, wird man ziemlich schnell zu einem Gespräch eingeladen.


    Eine Firma, die ihre Kriterien streng an Notendurchschnitt oder Billigpersonal festmacht, wird schwer gute Mitarbeiter finden. Außerdem darf man Stellenanzeigen nicht sonderlich ernst nehmen. Viele Firmen schreiben elendig lange Listen mit Anforderungen, die total überzogen sind und fern von Realität.

  • Und gerade in Deutschland gibt es doch auch sehr viel, vergeht keine Woche in der nicht mindestens ein Recruiter aus D bei mir anklopfen würde (wobei ich davon ausgehe, dass sie pro Projekt bei 200 anderen auch anklopfen).

    Woher haben die Recruiter deine Adresse, wenn ich fragen darf? Ich habe lediglich kurz nach meiner Sponsion zwei Mails von Headhuntern bekommen (davon einer von der Firma Google). Danach habe ich nichts mehr bekommen.

  • Viele Firmen schreiben elendig lange Listen mit Anforderungen, die total überzogen sind und fern von Realität.


    Ich frage mich bei solchen Angeboten immer ob es überhaupt Leute gibt die sich dort bewerben. Und wenn ja, ob auch nur einer davon diese Anforderungen wirklich erfüllen kann.


    Wäre ich z.B. auf der Suche nach einem Job in der Industrie, dann käme ich niemals auf die Idee mich irgendwo zu bewerben wo ungefähr 20 Skills der Art "Umfangreiche Erfahrungen mit Framework XY in Version Z" verlangt werden, wenn ich vielleicht nur 3 davon erfüllen kann. Bei der Fülle von Technologien (viele Programmiersprachen, für jede davon zig Frameworks) kann man - auch wenn man praktische Erfahrung hat - schlicht nur einen kleinen Teil kennen, mit dem man halt bisher gearbeitet hat. Die anderen bringt man sich bei Bedarf schnell bei, und das ist glaub ich die wichtigste Fähigkeit eines guten Informatikers. Klassen- und Methodennamen sind ja austauschbar. Auch wenn die Firmen, wie du schreibst, vielleicht im Endeffekt eh davon ausgehen dass niemand das alles wirklich erfüllen kann und die Listen überzogen sind, so ist es für den Bewerber einfach schwer erkennbar was davon nun tatsächlich relevant ist und was nicht.


    Sehr viel sinnvoller ist es, wenn da ein paar wenige Punkte stehen auf die es wirklich ankommt: vielleicht 2-3 eher allgemeinere technische Skills (z.B. Erfahrung mit OOP) bzw. Technologien auf die es wirklich ankommt (aber nicht jedes einzelne Detail das irgendwo im Projekt vorkommt), dazu Lernfähigkeit, analytisches Denken, soziale Skills. Da kennt man sich aus und fühlt sich eher angesprochen denk ich.

  • Danke für die vielen zahlreichen Antworten, aber wie sieht es eigentlich mit der Tätigkeit als Lehrer/Dozent aus ?
    Ist eine Karriere als "Informatik-Lehrer" sinnvoll ? Bzw. eine Option ?

  • Danke für die vielen zahlreichen Antworten, aber wie sieht es eigentlich mit der Tätigkeit als Lehrer/Dozent aus ?
    Ist eine Karriere als "Informatik-Lehrer" sinnvoll ? Bzw. eine Option ?


    Wie die rechtlichen Voraussetzungen in Deutschland sind weiß ich nicht.



    In Österreich: grunsätzlich ja. Mit normalem Informatik-Studium (kein Lehramt) brauchst du dafür aber ein bisschen Berufspraxis und musst Didaktik-Kurse nachholen (die vor kurzem meines Wissens nach sogar formal in ein Bachelor-Studium umgewandelt wurden, das aber im Umfang viel geringer ist als ein "richtiges" Bakk). Wenn du fix Lehrer werden willst, mach gleich ein Lehramtsstudium, andernfalls lässt einem das normale Studium meiner Meinung nach mehr Optionen.

  • Adok: Sorry, den Thread nicht weiter verfolgt.
    Naja, ich war vor der Uni schon als Freelancer tätig, in Summe schwirren meine Daten inzwischen wohl bei vielen Personalerfirmen rum.
    Am öftesten werde ich wohl von Hays kontaktiert, danach kommt wohl LinkedIn/Xing. Registriert bin bei so ziemlich allen größeren Freelancer Plattformen wie Upwork, Gulp, Projektwerk etc. Im Laufe der Zeit auch live bei einigen Personalerfirmen gewesen. Ein paar Personaler haben mich wohl über meine Homepage gefunden, für meinen aktuellen Job bin ich via Github kontaktiert worden. Eine Bewerbung lief mal über Stackoverflow.


    Allerdings möchten die meisten, dass man 40h die Woche zu fixen Zeiten bei ihnen vor Ort irgendwo auf der Welt in der Bude hockt.
    Ich bin aber nicht selbstständig und habe mein eigenes Büro um dann das Schlechte aus beiden Welten zu haben.